top of page

Warum Führungskräfte keine Zeit für Führung haben. Jetzt ist Schluss.

  • Autorenbild: Gesche Henties
    Gesche Henties
  • 31. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Schluss mit dem Gedanken, dass Führung irgendwann dann stattfindet, wenn alles andere erledigt ist.


Schluss mit der Hoffnung, dass es nächste Woche ruhiger wird und endlich Zeit für die Themen bleibt, die eigentlich zur Führungsrolle gehören.


Und vielleicht auch Schluss mit dem Versuch, Führungsarbeit zwischen spontanen Abstimmungen, Rückfragen und operativen Problemen unterzubringen.


Viele Führungskräfte arbeiten unglaublich viel. Sie treffen Entscheidungen, koordinieren Abläufe, beantworten Fragen, lösen Probleme und halten den Betrieb am Laufen.


Gleichzeitig bleibt am Ende des Tages häufig das Gefühl zurück, den wirklich wichtigen Führungsthemen wieder nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt zu haben.


Vielleicht kennst du solche Gedanken:

„Eigentlich wollte ich heute noch das Mitarbeitendengespräch vorbereiten.“

„Ich wollte mir Zeit nehmen, um mit meinem Team über die aktuelle Situation zu sprechen.“

„Ich wollte endlich die Aufgabenverteilung überarbeiten.“


Und dann kam der Alltag dazwischen.


Eine Krankmeldung, mehrere spontane Rückfragen, ein Konflikt im Team oder Entscheidungen, die kurzfristig getroffen werden mussten. Am Ende des Tages warst du beschäftigt und hast viel geschafft. Trotzdem bleibt manchmal die Frage: Hatte ich heute eigentlich Zeit für meine wirklichen Führungsaufgaben?


Genau darin liegt ein Muster, das ich in Coachings immer wieder beobachte.


Viele Führungskräfte haben nicht deshalb keine Zeit für Führung, weil sie zu wenig leisten oder sich schlecht organisieren. Viel häufiger liegt die Ursache darin, dass operative Themen dauerhaft Vorrang bekommen und dadurch genau die Aufgaben verdrängen, die langfristig den größten Unterschied machen würden.


In diesem Artikel erfährst du,

• warum Führung im Alltag häufig hinter operativen Themen zurücktritt,

• weshalb das Tagesgeschäft fast immer Vorrang bekommt,

• und warum das Problem häufig fehlende Steuerungsräume sind.

 

Das Muster im Alltag

Wenn Führungskräfte davon sprechen, dass sie keine Zeit für Führung haben, denken viele zunächst an volle Kalender, Personalmangel oder steigende Anforderungen. All das spielt sicherlich eine Rolle.


Gleichzeitig lohnt sich ein genauerer Blick darauf, welche Aufgaben im Alltag tatsächlich Zeit bekommen und welche immer wieder verschoben werden.


Interessanterweise sind es oft nicht die operativen Themen, die dauerhaft liegen bleiben. Eine fehlende Entscheidung, eine dringende Rückfrage oder ein aktuelles Problem erzeugen unmittelbaren Handlungsdruck. Deshalb kümmern wir uns darum.


Führungsthemen funktionieren häufig anders.


Ein Feedbackgespräch kann auf nächste Woche verschoben werden. Eine Rollenklärung wirkt selten akut. Auch die Entwicklung von Mitarbeitenden, die Auseinandersetzung mit der Teamkultur oder die Frage, wie Verantwortung sinnvoll verteilt werden kann, fordert meist keine sofortige Reaktion.


Genau darin liegt die Schwierigkeit.


Das Dringende gewinnt fast immer gegen das Wichtige.


Meist weil operative Themen unmittelbare Konsequenzen haben und deshalb automatisch Aufmerksamkeit auf sich ziehen.


Auf diese Weise verschiebt sich die tägliche Arbeit Schritt für Schritt. Führung findet immer weniger bewusst statt und wird zunehmend zwischen Tür und Angel erledigt.


Die Mechanik dahinter


Vielleicht kennst du folgende Situation:

Du hast dir vorgenommen, an einem wichtigen Thema zu arbeiten. Dann kommt eine Rückfrage aus dem Team. Kurz darauf benötigt jemand eine Entscheidung. Anschließend fällt eine Kollegin krankheitsbedingt aus und ein weiteres Thema landet auf deinem Tisch.

Jede einzelne Situation betrachtet wirkt nachvollziehbar. Schließlich möchtest du handlungsfähig bleiben und dafür sorgen, dass die Arbeit weiterläuft.


Das Problem entsteht durch die Summe dieser Entscheidungen.


Mit jedem Eingreifen verschiebt sich deine Aufmerksamkeit stärker auf das operative Geschehen. Gleichzeitig werden Führungsaufgaben immer weiter nach hinten geschoben, weil sie vermeintlich noch etwas warten können.


Irgendwann entsteht daraus ein Arbeitsalltag, in dem du vor allem koordinierst, absicherst, reagierst und Probleme löst.


Die eigentliche Führungsarbeit gerät zunehmend in den Hintergrund.

Aus Führung wird Dauerkoordination.


Das unterschätzte Risiko

Viele Führungskräfte bemerken lange nicht, welche Folgen diese Entwicklung hat.

Von außen betrachtet wirken sie oft besonders leistungsfähig. Sie sind ansprechbar, treffen Entscheidungen, halten Prozesse am Laufen und springen ein, wenn es notwendig ist.

Gleichzeitig bleiben jedoch genau die Themen liegen, die langfristig für Stabilität sorgen würden.


Mitarbeitende erhalten weniger Orientierung.

Entwicklungsgespräche finden seltener statt.

Konflikte werden erst sichtbar, wenn sie bereits größer geworden sind.

Verantwortlichkeiten bleiben unklar und wichtige Fragen zur Zusammenarbeit werden immer wieder verschoben.


Noch etwas anderes beobachte ich regelmäßig:

Viele Führungskräfte haben das Gefühl, den ganzen Tag gearbeitet zu haben und trotzdem nicht wirklich voranzukommen. Sie reagieren auf Ereignisse, gestalten aber immer weniger aktiv.


Genau das führt häufig zu Frustration.


Denn die meisten Menschen übernehmen eine Führungsrolle nicht, weil sie den ganzen Tag operative Themen koordinieren möchten. Sie möchten gestalten, Menschen begleiten, Entwicklung ermöglichen und Verantwortung fördern.

Wenn dafür dauerhaft keine Zeit bleibt, entsteht häufig das Gefühl, der eigenen Rolle nicht gerecht zu werden.


Kennst du diese Gedanken?  

Wenn ich mit Führungskräften über dieses Thema spreche, höre ich häufig ähnliche Sätze.


„Im Moment ist einfach zu viel los.“

„Wenn es wieder etwas ruhiger wird, kümmere ich mich darum.“

„Ich kann mich jetzt nicht aus dem Tagesgeschäft herausziehen.“

Diese Gedanken sind nachvollziehbar.


Gleichzeitig erlebe ich selten, dass der ruhige Moment von allein kommt eigentlich nie!


Operative Themen entstehen jeden Tag neu. Es wird immer Rückfragen geben, kurzfristige Entscheidungen oder ungeplante Ereignisse, die Aufmerksamkeit verlangen.

Deshalb stellt sich irgendwann eine andere Frage:

Wenn Führung keinen festen Platz im Alltag bekommt, wann soll sie dann stattfinden?

Ein weiterer Satz, den ich häufig höre, lautet:

„Mein Team braucht mich gerade.“


Auch das stimmt oft.


Die spannendere Frage ist jedoch, wobei dein Team dich braucht.


Braucht es dich dauerhaft als operative Problemlöserin oder als operative Problemlöser?


Oder braucht es Orientierung, Klarheit, Entwicklung und eine Führungskraft, die den Blick auf das große Ganze behält?


Die entscheidende Verschiebung

Die entscheidende Frage lautet deshalb aus meiner Sicht nicht, wie du noch mehr schaffen kannst.


Viel wichtiger ist die Frage, welche Themen deine eigentliche Führungsarbeit aktuell verdrängen und warum sie immer wieder nach hinten rutscht.


Denn Führung verschwindet meist nicht auf einmal.


Sie verschwindet in vielen kleinen Entscheidungen, die jeden Tag getroffen werden.


Immer dann, wenn das Dringende wichtiger erscheint als das Wichtige.

Immer dann, wenn operative Themen automatisch Vorrang bekommen.

Und immer dann, wenn Führung auf später verschoben wird.


Du kannst dir denken, dass besseres Zeitmanagement hier nicht die Lösung ist.

Sie beginnt mit der bewussten Entscheidung, Führung wieder einen eigenen Raum zu geben und die eigene Rolle klarer in den Blick zu nehmen.


Schlussgedanken

Viele Führungskräfte arbeiten den ganzen Tag, treffen Entscheidungen, koordinieren Abläufe und lösen Probleme. Trotzdem bleibt häufig das Gefühl zurück, den wirklich wichtigen Führungsthemen nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt zu haben.


Das liegt nicht daran, dass sie zu wenig leisten.


Viel häufiger liegt die Ursache darin, dass operative Themen dauerhaft Vorrang bekommen und dadurch genau die Aufgaben verdrängen, die langfristig Orientierung, Entwicklung und Stabilität schaffen.


Die entscheidende Veränderung beginnt deshalb an dem Punkt, an dem Führungskräfte erkennen, welche Themen ihre eigentliche Führungsrolle verdrängen und welche Aufgaben wirklich zu ihrer Verantwortung gehören.


Wenn du solche Dynamiken aus deinem Alltag kennst und tiefer verstehen möchtest, abonniere hier meinen Newsletter.


Und wenn du für dich klären möchtest, wie du wieder mehr Klarheit und Steuerung in deinen Führungsalltag bringst, findest du hier mein Coachingangebot.


 

Herzlichst


Gesche Henties

 

Kommentare


bottom of page